Die Geldflussrechnung – Wissen, woher und wohin das Geld fliesst

 In Unkategorisiert

Wieviel Geld am Jahresende in der Unternehmenskasse ist, lässt sich leicht feststellen. Auch ob es gegenüber dem Vorjahr mehr oder weniger geworden ist. Spannender ist die Frage nach den Einflussfaktoren für die Veränderung. Was für grössere Unternehmen (im Sinne des Gesetzes) seit dem neuen Rechnungslegungsrecht als Bestandteil der Jahresrechnung eingeführt ist, können sich KMU auch freiwillig zunutze machen: Die Geldflussrechnung (früher Mittelfluss- oder Kapitalflussrechnung genannt).

 

 

Am Anfang steht die Wahl des sogenannten «Fonds», also derjenigen Grösse, dessen Veränderung durch die Geldflussrechnung nachgewiesen werden soll. Zweckmässiger- und heute üblicherweise besteht der Fonds aus den Geldbeständen (Kasse, Post, Bank) und den geldnahen Mitteln (liquide Positionen mit Restlaufzeit von max. 3 Monaten; z.B. auslaufende Obligationen). Werden kurzfristige Kontokorrentkredite beansprucht, werden diese sinnvollerweise direkt dem «Fonds» zugeordnet (sog. Fonds «Netto-Flüssige Mittel»).

Im Rahmen einer Geldflussrechnung werden in der Regel die Geldflüsse aus Betriebstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit separat ermittelt und dargestellt:

Diese Aufteilung verlangt u.a. auch Artikel 961b OR bei derGeldflussrechnung für grösseren Unternehmen.

Der operative Cashflow umfasst die liquiditätswirksamen Transaktionen der Betriebstätigkeit und zeigt damit die Veränderung die flüssigen Mittel durch Einkauf, Produktion, Administration und Verkauf. In der Praxis wird dafür fast usschliesslich die sog. Indirekte Methode angewendet, weil diese in der Anwendung einfach und mit geringem Aufwand verbunden ist. Auf die direkte Methode wird daher an dieser Stelle nicht näher eingegangen. Ausgehend vom Jahresergebnis werden alle nicht geldwirksamen Aufwendungen und Erträge wie folgt korrigiert.

Optimalerweise ergibt sich aus der Betriebstätigkeit ein Geldmittelzufluss für das Unternehmen. Anschliessend wird der Geldfluss aus Investitionstätigkeit ermittelt. Dieser zeigt die Barkäufe und Verkäufe von Sach- und Finanzanlagen. Käufe und Verkäufe werden dabei getrennt dargestellt. Hilfreich für die Erstellung dieses Abschnitts der Geldflussrechnung ist eine Anlagenbuchhaltung, woraus die Zu- und (liquiditätswirksame) Abgänge (d.h. Verkäufe) ersichtlich sind. In übersichtlichen Verhältnissen können diese Transaktionen auch anhand der Anlagekonti direkt aus dem Hauptbuch ermittelt werden.

Aufgepasst bei Investitionen, welche mittels Finanzierungsleasing erworben werden: Hierbei handelt es sich um nicht-liquiditätswirksame Transaktionen, welche per Saldo keinen Einfluss auf den «Fonds» haben und daher in der Geldflussrechnung nicht dargestellt werden.

Im dritten Teil der Geldflussrechnung wird die Finanzierungstätigkeit aufgezeigt. Hat das Unternehmen keine Schulden und benötigt es keine Geldmittel (weil aus Betriebs- und Investitionstätigkeit kein Geldabfluss resultiert), kann dieser Teil auch entfallen. Dividendenausschüttungen an die Aktionäre werden üblicherweise in diesem Abschnitt dargestellt. Die Erstanwendung bot insbesondere die Chance, die meist über die Jahre unverändert gebliebene Jahresrechnung grundsätzlich zu überarbeiten und mit neuen, für den Bilanzleser nützlichen Informationen zu ergänzen. Die Anpassungen ergaben sich vorwiegend im Bereich der Darstellung und nur in Ausnahmefällen im Bereich der Bewertung (z. B. Beteiligungen).

Die Summe der einzelnen Geldflüsse ergibt schliesslich die Veränderung des Fonds im Geschäftsjahr (resp. im entsprechenden Betrachtungszeitraum); also dem Geldzu- oder Abfluss auf Unternehmensstufe. Damit ist erklärt, woher das Geld kommt resp. wohin es geflossen ist. Die Geldflussrechnung kann selbstverständlich auch als Instrument im Rahmen einer mittelfristigen Planungsrechnung (z.B. 3 – 5 Jahre) eingesetzt werden. Daraus werden die zukünftigen Geldströme ersichtlich, welche für wichtige Entscheidungen relevant sind: z.B. kann aus der Plan-Geldflussrechnung ermittelt werden, ob genügend Mittel erwirtschaftet werden, um die anstehenden Investitionen oder die geforderten Amortisationszahlungen tätigen zu können.

Abschliessend sei noch erwähnt, dass die Geldflussrechnung im Rahmen des Jahresabschlusses auch als Kontrollrechnung eingesetzt werden kann, weil sie dazu beitragen kann, Unstimmigkeiten in Bilanz und Erfolgsrechnung aufzudecken.

Wir empfehlen Ihnen daher, die Geldflussrechnung als Führungsinstrument einzusetzen; sei es nun vergangenheits- und zukunftsbezogen. Gerne sind wir Ihnen bei der Umsetzung behilflich.

 

 

 

 

 

 

 

Christian Zwahlen

christian.zwahlen@gfeller-partner.ch

 

André Jordi
andre.jordi@gfeller-partner.ch

Recent Posts

Start typing and press Enter to search