ERSTANWENDUNG DES NEUEN RECHNUNGSLEGUNGSRECHTS – AUSGEWÄHLTE PUNKTE

Die folgenden Ausführungen greifen ausgewählte Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Erstanwendung des neuen Rechnungslegungsrechts auf, die wir im Zusammenhang mit der Erstellung resp. Prüfung von Einzelabschlüssen im KMU-Umfeld gewonnen haben.

Ausweis von Schwestergesellschaften
Mit dem neuen Rechnungslegungsrecht wurde der Ausweis von Nahestehenden vollständig überarbeitet. Nach dem Gesetzeswortlaut sind nur noch über- bzw. untergeordnete Gesellschaften separat auszuweisen. Das neue Recht kennt keine Schwestergesellschaften, was in der Praxis zu Unsicherheiten betreffend deren Ausweis führte. Streng nach Gesetz sind Forderungen sowie Verbindlichkeiten gegenüber Schwestergesellschaften nicht gesondert offenzulegen. Im Sinne der Transparenz ist jedoch eine entsprechende Offenlegung zu empfehlen. Diese kann in den gesetzlich vorgesehenen Bilanzpositionen «gegenüber Beteiligten und Organen» oder «gegenüber Beteiligungen» vorgenommen werden mit gleichzeitiger Aufschlüsselung im Anhang. Denkbar ist auch ein Ausweis als zusätzliche Bilanzposition «gegenüber Schwestergesellschaften».

Umfang des Anhangs zur Jahresrechnung
Im Vorfeld zur Umsetzung des neuen Rechnungslegungsrechts wurde erwartet, dass der Umfang des Anhangs im Vergleich zu den bisher geltenden rechtlichen Bestimmungen zunehmen würde. Insbesondere bei den Angaben über die in der Jahresrechnung angewandten Grundsätze sowie den Erläuterungen zu Positionen in Bilanz und Erfolgsrechnung wurde deutlich mehr Informationen erwartet. In der Praxis haben wir nun festgestellt, dass sich die Unternehmen im KMU-Umfeld in der Regel für eine auf das Minimum beschränkte Offenlegung entschieden haben. Die Grundsätze sind meist mit einem Verweis auf die Einhaltung der gesetzlichen Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze gemäss OR abgehandelt. Zusätzlich notwendige Mehrangaben und Erläuterungen werden weiterhin wo möglich direkt in den Positionen der Bilanz und Erfolgsrechnung dargestellt.

Offenlegung Verbindlichkeiten aus Leasing-, Miet- und Baurechtsverträgen
Mit dem neuen Gesetzestext zur Offenlegung des Restbetrags der Verbindlichkeiten aus kaufvertragsähnlichen Leasinggeschäften und anderen Leasingverpflichtungen hat der Gesetzgeber eine Lücke des alten Rechnungslegungsrechts geschlossen. Wurden bis anhin nur die offenen Leasingverbindlichkeiten bspw. für Autos und Kopierer offengelegt, sind neu auch die nicht innert 12 Monate kündbaren Verbindlichkeiten aus Miet- und Baurechtsverträgen anzugeben. Letztere ergeben meist hohe, vertraglich vereinbarte Verbindlichkeiten, über die der Bilanzleser bisher nicht informiert werden musste.

Die Erstanwendung bot insbesondere die Chance, die meist über die Jahre unverändert gebliebene Jahresrechnung grundsätzlich zu überarbeiten und mit neuen, für den Bilanzleser nützlichen Informationen zu ergänzen. Die Anpassungen ergaben sich vorwiegend im Bereich der Darstellung und nur in Ausnahmefällen im Bereich der Bewertung (z. B. Beteiligungen).

 

 

 

 

Rick Straub
rick.straub@gfeller-partner.ch

 

 

 

 

 

 

 

Christian Zwahlen
christian.zwahlen@gfeller-partner.ch

Recent Posts

Start typing and press Enter to search